PSDS – Piraten Suchen Den Supervorstand


Teil 1 – Dieter?

Am Wochenende findet das Finale der neunten Staffel der Piraten-Erfolgsshow „PSDS – Piraten Suchen Den Supervorstand“ in Halle statt. In langatmigen Mottoshows wurden die Kandidaten zuvor ausgewählt und gesiebt, so dass alle, die jetzt zum Recall antreten, mit Recht die Elite der zuletzt arg strauchelnden Partei repräsentieren.

Wie beim großen RTL-Vorbild werden die Fans und Familien der Kandidaten mit Bussen aus der ganzen Republik angekarrt. Die Unterstützer werden T-Shirts mit den Namen ihrer Lieblinge tragen. Transparente à la „XY – wir lieben Dich“, die in den Vorjahren dazu gehörten, werden wir wohl nicht mehr sehen. Dafür wird gepfiffen und gejohlt werden und die Kandidaten können sich der lautstarken Unterstützung ihrer Anhänger sicher sein.

Also, alles wie immer und alles gut?

Nun, nicht ganz. Zum Beispiel ist der allmächtige Dieter nicht mit von der Partie und damit verabschiedet sich ein Großteil der Unterhaltungskomponente. Zur Ehrenrettung der Piraten muss aber gesagt werden, dass die Veranstalter der Show für adäquaten Ersatz gesorgt hatten. Wenn der Mumble-Mob losgelassen wird, bleibt garantiert kein Auge trocken.

Das, was die Piraten gerne verniedlichend „grillen“ nennen, entspricht in Wirklichkeit der Jury des großen Dieter, allerdings mit vergleichsweise bescheideneren Mitteln. Geradezu inquisitorische Beflissenheit treibt die Archetypen der piratigen Basisarbeit vorwärts und lässt sie immer neue,  immer absurdere Fragekombinationen entwerfen.

Interessanterweise ist dabei der Respekt vor den Altstars immens. Wenn jedoch ein Kandidat zu jung oder unerfahren erscheint oder vermeintlich „vorbelastet“ ist, dreht der gemeine Grillpirat schlicht durch. Auf einmal sieht man sich Typen ausgesetzt, die der heiligen Inquisition alle Ehre gemacht hätten und Leute schälen sich aus dem Kokon des braven Spießbürgers, die ich ohne Rechtsschutzversicherung nicht zum Nachbarn haben möchte.

All das zeigt das innewohnende Demokratieverständnis der Partei überdeutlich. Krude, überzogene Ansprüche an den künftigen Supervorstand, der mit heillosem Aufwand ausgesucht wird und nach dem Selbstverständnis der Piraten doch nur Akten von rechts nacht links stapelt. Merkwürdig? Widersprüchlich? Piratig, eben!

Aber der Reihe nach…

Mit der schnellen Abdankung der Hälfte des letztjährigen Supervorstands wurde eine neue Staffel von PSDS früher als gedacht notwendig. Die ursprünglich geäußerte Angst, es könnten sich möglicherweise nicht genügend Kandidaten melden, bestätigte sich glücklicherweise nicht. Am Ende machte die schiere Masse der Bewerber das Verfolgen der diesjährigen Staffel zur Qual. Vielleicht haben ja deshalb Leute die Drogen erfunden – um sowas auszuhalten.

Nach Bundestags-, Europa- und Kommunalwahlen pflügt die Partei gegenwärtig durch schwere Wetter. Dazu Richtungsstreits, Tittengates, Arbeitsniederlegungen und immer mehr abmusternde Piraten, die lieber dem nächsten Trend hinterherjagen.

Deshalb muss es dieses Mal ein Bundesvorstand sein, der mindestens die Fähigkeiten des Auserwählten aufweist. In diesen Dingen können Piraten ja durchaus anspruchsvoll sein.

Die Jury

Da das Showkonzept nicht mehr das frischeste ist und die Quote seit einiger Zeit rückläufig ist, hat man sich bei den Mottoshows besondere Mühe gegeben. Die renommiertesten Verhörkünstler der Zunft traten auf. Wer es aushielt und alles über sich ergehen ließ, wurde immerhin mit einigen großen Momenten belohnt.

Der Oberlehrer

Der Inbegriff des Schulmeisters. Nicht für den Supervorstand, für den Oberlehrer lernen wir. Und dann am liebsten sinnlose Fakten, die absolut keinen Menschen interessieren. Beispiel gefällig?

„Die Piratenpartei wollte die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel im Bundestagswahlkampf erhöhen um 12%. Warum?“

Tja, da bleibt selbst dem arglosesten Kandidaten das Lachen im Halse stecken. Selbst wenn man sich bis hierhin gut geschlagen hat, der Oberlehrer zeigt einem ganz schnell, wo der Frosch die Locken hat. Wie auf dem Kasernenhof wird der verschüchterte Vorstand in spe mit einem „Jetzt aber konkret!“ nach Belieben weiter unter Druck gesetzt.

Der Besserwisser

Er ist die Satzungsdampframme. Weiß immer, wo genau was steht. Jedenfalls meistens. Und wenn nicht, dann hätte es zumindest dort stehen können! Bitte schön…

„Natürlich ist das beschlossen worden, also bitte! Es steht nirgendswo drin, dass wir jetzt explizit die Einführung eines BGE beschlossen haben. Wir ham es etwas verklausuliert, das natürlich so, aber Du musst das machen!“

Sinnlos, sich mit ihm auf ein Scharmützel einzulassen. Der Mann hat wirklich immer Recht. Oder das, was er dafür hält.

Der Faktenhuber

Hatte in dieser Staffel seinen ersten großen Auftritt. Kommt mit Erkenntnissen, die im Trivialisierungsgrad locker das Niveau der Gala unterbieten. Achtung…

„Ich hab‘ gerade auf Twitter gesehen, dass Du eine echt super gute Tweet-To-Follower Rate hast. Kannst Du das irgendwie erklären?“

Nee, hier ist nun wirklich keine Erklärung mehr nötig. Wenn Schrulligkeit mit Originalität verwechselt wird, bleibt oft nur das Gekröse übrig.

Der Libero

Äußerst flexibel in der Themenfindung, dafür umso überraschender. Kommt meistens aus der Tiefe des Raumes und versucht die Kandidaten mit taktischen Fouls zu bremsen.

„Mal so ’ne Schätzfrage. Wieviel Finanzbedarf hätte man, wenn man das BGE mit 1000 Euro im Monat ausstattet, im Jahr?“

Wehe, wenn die Abseitsfalle mal nicht funktioniert. Wie das Liberokonzept, haben Fragen dieser Güteklasse etwas fürchterlich altbackenes, gestriges.

Die Heilige Kratzbürste

In diesem Jahr zwar nur in einer Nebenrolle, aber als Publikumsliebling weiß man, was man dem Mob schuldig ist. Pocht auf größtmögliche Korrektheit der Antworten.

„Bitte etwas präziser!“ „Bitte etwas genauer!“ „Habe ich Dich richtig verstanden,…?“

Die Enttäuschung dieser Staffel. Mit ewiger Korinthenkackerei zur Heiligen Nervensäge abgerutscht.

Wer nicht Nerven wie Drahtseile hat, sieht gegen die Fürchterlichen Fünf alt aus. Dass es auch anders geht, beweist dieser kurze Dialog:

„Was ist die politische Vision der Piraten?“

„Guck‘ ins Programm!“

Hoffnungsvolle Nachwuchstalente gab es tatsächlich auch:

„Die andere hat sich selbst als eine, die keine Ahnung hat, geoutet.“

 

„Ja, ich frag mich heute, zumindestens spurenweise, ob wir ‘ne Partei sind oder ‘ne Selbsthilfegruppe.“

La Grande Dame

Es wurden permanent „Visionen abgeklopft“ oder „heiße Themen aufgearbeitet“. „Dinge wurden mit einem Namen benannt“ und „Königsfragen“ gestellt. Mit anderen Worten: man hat sich echt Mühe gegeben.

Wenn dennoch die Quote ins Unterirdische abgleitet, helfen oft die etablierten Mechanismen des Geschäfts. Die Veranstalter hatten die geniale Idee, einen Supervorstand aus einer der älteren Staffeln als Gaststar einzuladen.

Es folgte der Auftritt der Großen Alten Dame der Piratenpartei. Und Madame enttäuschte die Macher nicht. Sie giftete und wütete wie in besten Zeiten, bezichtigte Bewerber der Unehrlichkeit und bemängelte fehlende politische Ziele.

„Und ich habe,…..ernsthaft, diese ganze Laberei ist einfach nur ätzend. Wir können uns jetzt 3 Stunden darüber unterhalten, wer wann was wie wo was gemacht hat. Wir haben alle schon Scheiße gemacht.“

Damit hatten die Verantwortlichen ins Schwarze getroffen. Der Gastauftritt verhalf der Staffel zu einem zwischenzeitlichen Quotenhoch. Denn wie sagte ein Pirat ganz richtig:

„Viel Reden bringt ja nichts, wir müssen irgendwie ja auch Geschäfte machen.“

Dem ist „an dieser Stelle“ nichts hinzuzufügen.

Teil 2 nimmt die Kandidaten unter die Lupe und lässt sich auch durch die schlimmsten Phrasen nicht abschrecken.

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